Begrüßungsrede zur Präsentation der Studie "The impact of cross-border access to audiovisual content on EU consumers"

Gehalten von Alfred Holighaus am 10. Juni in Berlin


Sehr geehrte Vertreter des Deutschen Bundestags,
sehr geehrte Vertreter der Ministerien,
sehr geschätzte Panelisten,
meine Damen und Herren,

im Namen der SPIO, der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, heiße ich Sie herzlich willkommen.

Die deutsche Filmwirtschaft übernimmt Verantwortung. Gesellschaftlich, ökonomisch und künstlerisch. Wir sorgen nicht nur für gute Unterhaltung, ein paar schöne Stunden jenseits des Alltags oder nachdenkliche und glamouröse Elemente in der 7. Kunst.

Wir stehen rein volkswirtschaftlich zum Beispiel für rund 13 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und garantieren bis zu 170.000 Jobs in Deutschland. Mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, kurz FSK, haben wir das zentrale Organ für den Jugendschutz unter unserem Dach. Mit der Ausgestaltung und Finanzierung unterschiedlichster und gut dotierter Preise kümmert sich die Filmwirtschaft selbst um ihren kreativen Nachwuchs. Und in den Sälen unserer Kinos heißen wir schon seit Monaten Flüchtlinge, und besonders ihre Kinder, durch verschiedenste Initiativen regelmäßig und landesweit sehr willkommen.

Damit diese Aufgaben geleistet werden können, sind gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig, die Filmemacher und Filme stärken. Auf europäischer Ebene beobachten wir jedoch mit Sorge, dass eine Initiative der Europäischen Kommission darauf zu zielen scheint, uns zu schwächen statt zu stärken. Im Zuge der Strategie zur „Vollendung des Digitalen Binnenmarkts“ sind Regelungen geplant, die unsere wirtschaftliche Basis in Frage stellen, nämlich das Prinzip, Lizenzen exklusiv und territorial auf den Märkten Europas zu handeln.

In der Onlinewelt sollen Lizenzen zukünftig nur mehr einmal vergeben werden, im Herkunftsland. Paneuropäisch also. Darauf laufen die Regelungsvorhaben der Europäischen Kommission zur Portabilität von Online-Inhalten, zur Sendung via Internet und zu sogenannten passive sales hinaus. Das ist eine Kehrtwende, eine Abkehr vom Territorialitätsprinzip.

Heute wollen wir Ihnen aber deutlich machen: Wer das Territorialitätsprinzip angreift, ändert nicht nur einfach die Vertriebsstruktur von Filmen im Internet. Er schädigt das wirtschaftliche Grundmodell, mit dem Filme in Deutschland und Europa seit Jahrzehnten erfolgreich entwickelt, finanziert, bekannt gemacht und in die Welt verkauft werden. Die Studie, die wir Ihnen heute präsentieren, belegt die konkreten Auswirkungen der Abschaffung dieses Modells – und zwar nicht nur für die Produzenten audiovisueller Inhalte, sondern auch für den Verbraucher, dessen Wohlfahrt die EU mit der Idee des digitalen Binnenmarktes ja eigentlich mehren möchte. Und schließlich für die Vielfalt der Kulturen in Europa.

Meine Damen und Herren, eine Abkehr vom Territorialitätsprinzip ist auch eine Abkehr von der kulturellen Vielfalt in Deutschland und in Europa. Einer Vielfalt, für die wir bekannt, ja berühmt sind. Eine Vielfalt, die uns Europäer eint und über die wir uns identifizieren.

Zu Vielfalt kann man nicht verpflichten. Man kann nur Bedingungen sichern, die Vielfalt ermöglichen. Das Territorialitätsprinzip ist die wesentliche Rahmenbedingung für Vielfalt und Wachstum im europäischen Film. Sie ist Treiber der lokalen Filmwirtschaften Europas und zugleich Ausdruck der europäischen Idee per se. Im Sinne einer starken deutschen Filmwirtschaft und eines in der Vielfalt geeinten Europas möchte ich Ihnen heute sagen: Es ist an der Zeit, dass auch die Politik Verantwortung übernimmt. Es ist für sie an der Zeit, sich zu interessieren, zu engagieren und zu handeln.

Wir freuen uns sehr, dass Felipe Florez Duncan vom Institut Oxera uns die wesentlichen Ergebnisse der Studie heute persönlich präsentieren wird.

Wir freuen uns auch, dass durch Elisabeth Kotthaus von der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland die Stimme der EU zum Thema zu hören sein wird.

Und wir sind geehrt, dass mit Jonas Dornbach einer der Produzenten des Siegers der Herzen und Hirne von Cannes, nämlich TONI ERDMANN von Maren Ade. zu uns gekommen ist. Er will uns verdeutlichen, wie wichtig das Territorialitätsprinzip für sein geschäftliches und politisches Modell des Filmemachens ist.

Geschätztes Publikum, für Ihr Kommen, Ihr Interessen und Engagement, meinen herzlichen Dank.