Online-Videomarkt wird immer wichtiger

Berlin/Wiesbaden, 19.10.2017

SPIO veröffentlicht aktuelle marktwirtschaftliche Daten zur Filmwirtschaft im Filmstatistischen Jahrbuch 2017

Während die Umsätze aus dem physischen Videomarkt (DVD/Blu-ray) in 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gesunken sind, sind die Einnahmen digitaler Streaming- und Download-Angebote (EST/TVoD /SVoD)* im gleichen Zeitraum um 29 Prozent angestiegen. Insbesondere abonnierte Streaming-Dienste waren beim Publikum beliebt und konnten ihr Geschäft um 43 Prozent steigern. Insgesamt verzeichnete der Videoverleih und –verkauf einen moderaten Umsatzrückgang um drei Prozent auf 1,77 Milliarden Euro. Größere Verluste mussten die Kinos verkraften, die im letzten Jahr 13 Prozent weniger Kinotickets verkauften und deren Bruttoeinnahmen dementsprechend auf 1,02 Milliarden Euro zurückgingen. Das geht aus den aktuellen Wirtschaftszahlen hervor, die die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) jetzt gebündelt im Filmstatistischen Jahrbuch 2017 veröffentlicht hat. Das Buch ist ab sofort im Handel verfügbar.

„Die marktwirtschaftlichen Daten bestätigen, dass die Verschiebung ins Netz ein anhaltender Trend ist“, so Alfred Holighaus, Präsident der SPIO. „Die digitale Distribution von Filmen ist daher für die Zukunft der deutschen Filmwirtschaft entscheidend. Erlöse aus dem Online-Geschäft müssen kurz- und langfristig die Verluste aus unserem Kerngeschäft kompensieren. Deshalb kämpfen wir so entschieden dafür, dass unsere wertvollen Inhalte nicht auf zeitlich und räumlich ausgeweiteten kostenlos zugänglichen Mediatheken verramscht werden.“ Laut dem Filmstatistischen Jahrbuch betrugen 2016 die durchschnittlichen Produktionskosten eines erstaufgeführten deutschen Spielfilms 3,9 Millionen Euro. Insgesamt gab es im letzten Jahr 166 Spielfilmpremieren. Mehr als die Hälfte davon waren deutsch-ausländische Koproduktionen. „Gerade diesen Koproduktionspartnern müssen auch weiterhin exklusive gebietsbezogene Online-Lizenzen angeboten werden können. Nur damit können sie ihre für die Filmfinanzierung unerlässlichen Investitionen kalkulieren und diese in der jeweiligen territorialen Online-Auswertung wieder reinholen.“

Bei den digitalen Auswertungsformaten scheinen sich SVoD-Abonnements immer mehr durchzusetzen. Während vor zwei Jahren noch 41 Prozent des Online-Videomarktumsatzes über TVoD-Einzeltranskationen erzielt wurden, überholten SVoD-Angebote im vergangenen Jahr diese Marge und stellten 60 Prozent der Einnahmen aus diesem Segment. Ob die Zuwächse direkt mit den negativen Entwicklungen an der Kinokasse korrelieren, verraten die Zahlen der Filmstatistischen Jahrbuchs zwar nicht. Auffällig ist jedoch, dass in den letzten fünf Jahren ein deutlicher Besucherrückgang im Kino bei den Internet affinen Altersgruppen 10 bis 19 (minus 21 Prozent) und 20 bis 29 (minus 32 Prozent) zu beobachten war.

Mehr Kennzahlen liefert das Filmstatistische Jahrbuch 2017. Es ist im Oktober in der Schriftenreihe „Medienrecht – Medienproduktion – Medienökonomie“ im Nomos Verlag, Baden Baden erschienen. Das 100-seitige Buch kostet 24 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.


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EST= Electronic sell through (Kauf der Datei mit unbegrenzter Nutzungsdauer)
TVoD = Transactional Video on Demand (Einzeltransaktionen mit begrenzter Nutzungsdauer)
SVoD = Subscriptional Video on Demand (Abonnement/Flatrate)

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Ausgewählte Zahlen und Trends für 2016 im Überblick:

Filmproduktion

  • 166 deutsche Spielfilme und 90 deutsche Dokumentarfilme wurden im Kino  erstaufgeführt.
  • Produktionskosten: Durchschnittlich kostete ein Spielfilm 3,9 Mio. Euro. Ausschließlich deutsch finanzierte Filme kosteten im Durchschnitt 3,4 Mio. Euro, internationalen Koproduktionen 4,6 Mio. Euro.
  • Koproduktionen: 51 % der deutschen Spielfilm-Erstaufführungen waren deutsch-ausländische Koproduktionen. Die beliebtesten Koproduktionsländer der letzten zehn Jahre waren Frankreich, Österreich, Großbritannien und die Schweiz.

Filmverleih

  • Marktanteile (Spielfilme nach Herstellungsländern): 32 % deutsche Produktionen, 29 % US-Produktionen, 8 % französische Filme, 6 % türkische Filme, 4 % UK-Produktionen.
  • Marktanteile (nach Filmbesuch): 65 % US-Produktionen (2015: 55 %), 23 % deutsche Filme (2015: 28%), 6 % UK-Produktionen (2015: 11 %), 5 % französische Filme (2015: 4 %).

Kino

  • Boxoffice: 1.023 Mio. Euro Einnahmen und 121,1 Mio. verkaufte Tickets (minus 13 %).
  • Die Anzahl der Kinos stieg um 6 auf insgesamt 1.654, mit insgesamt 4.739 Leinwänden (47 mehr als im Vorjahr).
  • 100 % der Leinwände waren digital ausgestattet, 46 % waren 3D-fähig.

Filmförderung

  • Die kulturwirtschaftliche Filmförderung von Bund und Länder, darunter die Filmförderanstalt, ist 2016 um 16 Prozent auf 361,36 Mio. Euro gestiegen (2015: 310,91 Mio. Euro).

Videomarkt

  • Gesamtumsatz: Verlust des Gesamtumsatzes um 3 % auf insgesamt 1,77 Mrd. Euro.
  • Der Verkauf von Videos verzeichnete deutliche Verluste (minus 9 % gegenüber 2015), stellte mit 1,22 Mrd. Euro aber nach wie vor den Großteil des Gesamtumsatzes. Beim EST gab es eine Umsatzsteigerung um 17 %.
  • Der Verleihbereich verzeichnete eine Umsatzsteigerung von 20 % gegenüber 2015, vor allem durch den hohen Zuwachs im SVoD-Bereich (um 43 % auf 326 Mio. Euro) und TVoD-Bereich (um 7 % auf 101 Mio. Euro).

Fernsehen

  • Kinofilm-Premieren: Gegenüber 2007 ist die Anzahl der Kinofilm-Premieren in 2016 um 19 % zurückgegangen. Premieren von deutschen Kino-Filmen im öffentlich-rechtlichen TV sanken von 76 in 2015 um 4 % auf 73 in 2016.
  • Sendeplätze: 44 % der aktuellen deutschen Kinofilme werden in den Programmen Das Erste und ZDF im Nachtprogramm (ab 00:00 bis 06:00 Uhr) gezeigt, 42 % im Spätprogramm (ab 22:00 bis 24:00 Uhr) und 14 % im Hauptprogramm (20:00 bis 22:00 Uhr).

Kinowerbung

  • Ausgaben: Die Aufwendungen für Schaltung kommerzieller Werbung im Kino sind um 7 % auf insgesamt 88,3 Mio. Euro zurückgegangen.

Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)

  • FSK-Prüfung: 10.614 Filmobjekte wurden gekennzeichnet, darunter Kino-und TV-Filme, Serien und Werbefilme (insgesamt 619.484 Prüfminuten).


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Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO) vertritt die Interessen der deutschen Film- und Videowirtschaft in den Sparten Filmproduktion, Filmverleih, Filmtheater und Audiovisuelle Medien. Als Dachverband von 19 Berufsverbänden repräsentiert sie mehr als 1.100 Mitgliedsfirmen. Ziel der SPIO ist es, den deutschen Film in seiner Vielfalt, Qualität und internationalen Wahrnehmung zu stärken und seine Wettbewerbsfähigkeit als Wirtschafts- und Kulturgut zu sichern. www.spio.de

Kontakt für Presseanfragen
Carolin Lindenmaier
Politische Referentin
Telefon: 030/24630052
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